wirbelnde Gedanken

Ich weiß nicht mehr genau, wie es dazu kam, aber heute Vormittag griff ich noch ganz verschlafen nach meinem Tagebuch. Ich schrieb nichts neues hinein. Ich las es. Und fühlte jedes Wort.
Eigentlich bedeutet ein Tagebuch ja Geheimnis, aber ich denke, dass man manche Gedanken auch teilen kann. Das hier ist also kein normaler Post über irgendetwas Schönes. Ich glaube, dass ist das erste Mal, dass ich etwas tiefgehenderes mit euch teile. Warum genau, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht, ich fühle gerade irgendwie so.

Mittwoch, 8.02.12
"gelacht, gesungen
getanzt und gesprungen
locker und leicht

gestritten versöhnt,
den anderen verhöhnt
schwer wie Blei

geschrien geweint
nicht mehr vereint
zerplittert und Schmerz"

Sonntag, 25.03.12
"Scheiße"

Donnerstag, 4.04.12
"Wir stecken alle drin, jeder von uns auf seine eigene Weise, aber wir sind alle hier, zusammen im Leben." 

Samstag, 28.10.12
"Und plötzlich fiel er mir ein, um 18 nach 12 (nachts), der Sinn - der Sinn der Lebens ist gelebt zuhaben!
So simpel und einfach, dass ich vorher nicht darauf gekommen bin und Erleichterung durchströmt mich, dass dieser Tag nicht sinnlos war!"

"Manchmal erscheint mir die Welt so - manchmal erscheint mir die Welt so unwirklich, so surreal, so verrückt. Jetzt in diesem Moment werden Tausende Leben geboren - und Tausende Leben beendet.
Jetzt in diesem Moment lieben sich so viele Menschen, während sich andere streiten und wieder andere von einer Sekunde zur anderen den letzten Augenblick vergessen und der nächste Moment und langsam entgleitet. Jetzt in diesem Moment, in dem ich meine Gedanken nieder schreibe, schreibt jeder seine eigenen.
Und jetzt in diesem Moment denke ich, die Welt ist das schönste und schrecklichste Kunstwerk, das existiert."

" Und wie viele Menschen sitzen jetzt so da wie ich und denken über Unwirklichkeit der Welt, der Unwirklichkeit des Seins da? Wie viele Menschen lassen ihren Stift in eben diesem Moment über das Papier gleiten? Wie ist es nur möglich, dass wir sind? Dass wir sind, aus unzähligen Zellen, dem eigenartigen Netz unserer Haut. Wie kann es nur sein, dass ein Mensch bis ins hohe Alter lebt und seine Geschichte schreiben kann, während ein anderer sich fühlt, als wäre sein nicht fertig geschriebenes Buch ins Wasser gefallen? Die Tinte verlaufen, verschmiert -  weder erkenn- noch entzifferbar, aber trotzdem vorhanden und an manchen Stellen ein kleiner Buchstabe oder gar ein Wort zu erkennen."

"Wie kann es sein, dass Menschen wegen Ungerechtigkeiten sterben? Wie kann es sein, dass ein Mensch sein Leben vergisst? Wie kann es nur sein, dass die Welt sich trotzdem weiter dreht und, dass alles geschieht? Und wie nur, kann einem Menschen das alles egal sein?"