Poetry Slam: Eine Kiste Vergangenheit als unsere Gemeinsamkeit


Wir haben uns nicht gesucht, haben uns irgendwie gefunden.
Wir waren einfach da, zu der Zeit, an dem Ort
beide mit offenen Wunden und ich sprach kein Wort.

Eigentlich war ich ja unsichtbar, aber warumauchimmer du nahmst mich wahr,
hast mich gesehen, obwohl ich doch gar nicht sichtbar war.
Und ja, erst hatte ich Angst aus meinem Schneckenhaus zu kommen,
doch du hast mich ganz sanft an die Hand genommen
und irgendwie nach und nach mein Vertrauen gewonnen.

Und dann warst du immer da für mich.
Hast mich gehalten, wenn ich drohte zu fallen -
hab' dich gehalten, wenn du drohtest zu fallen
und ich war für dich da.

Und nach einiger Zeit wurde mir klar,
dass du derjenige warst, der kaputt war.
Und nicht du warst mein Anker in stürmischer Not,
sondern ich war deiner und hielt dich, beständig und fest.
Bei mir warst du sicher, ein gefundener Schiffsbrüchiger, in meinen Armen
- geborgen und warm.

Ich war dein sicherer Hafen, schon klar, dein Segel im Wind,
wenn der Sturm bei mir war.
Wir haben uns gehalten, aber auf welchem Fundament?
Auf unsicherem Boden, haltlos, vom Ufer getrennt.

Weißt du, eine zeitlang fühlte ich mich
als hätten wir denselben Nenner und gingen gegen unendlich.
Als wär'n wir der Teil einer Formel nicht getrennt vom Istgleich.
Als wär'n wir eine unlösbare Gleichung,
eine Metapher der vollkommenen Unvolkommenheit, aber trotzdem richtig.
Mit dir fühlte ich mich als würde ich fliegen und die Euphorie wär' 
mein Treibstoff mit der Beschwinglichkeit als ständigen Begleiter,
als ginge es immer höher und höher und WEITER!

Und dann kam der Fall.
Und ich fiel und verfluchte die Schwerkraft,
spürte den Schmerz überall und er brachte mich fast zum Erliegen,
aber diese Genugtuung sollte das Leben nicht kriegen.

Ich war nicht länger dein Hafen; er steckte in Brand,
mein Segel hielt ihrem Wind nicht mehr Stand
und unser Schiff fing an zu sinken auf den Grund des Riffs
und wir waren nicht länger unendlich.

Unsere einzige Geimeinsamkeit besteht nur noch aus unserer Vergangenheit.
Und unsere zweisame Unendlichkeit war plötzlich
gar nicht mehr so weit, sondern nur noch endlich.

Doch jetzt ist es so weit, ich fühle mich bereit
dich und die Vergangenheit in die Kiste zu stecken
und mit meinem kleinen Schiff neue Gewässer,
neue Häfen zu entdecken.

Leb'  Wohl.



 Kleine Frage am Ende: Würde es euch gefallen, wenn ich zukünftige Texte in einem Video vorlese?

xoxo, Celine